Anbei ein Bericht aus der WZ.

 

Im Jahr 2022 bahnt sich ein Rekord an, den niemand will: Die Walsroder Ehrenamtlichen registrieren so oft Alarm wie nie zuvor.

Feuerwehr Walsrode fast jeden Tag im Einsatz

Immer noch ein Lächeln parat: Junge und altgediente Kräfte, Helfer und Führungsebene der Walsroder Ortsfeuerwehr sind ungewollt auf Rekordkurs - bleiben aber motiviert und einsatzbereit. Nicht nur Ortsbrandmeister André Leiber (links) hofft, dass es ruhiger wird. Foto: Eickholt
 

Gejammer werden die Menschen im Heidekreis von ihren Freiwilligen Feuerwehren kaum hören - die Ehrenamtlichen sind allesamt mit Begeisterung und viel Verantwortungsbewusstsein im Dienst. Dabei hätte vor allem die Walsroder Feuerwehr allen Grund, wegen Überlastung zu klagen. Die Zahl der Einsätze ist in diesem Jahr so hoch, dass ein “Rekord” kaum vermeidbar ist: Am Sonntag, 5. Juni, registrierten die 86 Aktiven bereits Vorfall Nummer 149. Zum Vergleich: Die Gesamteinsatzzahlen der Vorjahre bewegten sich insgesamt zwischen 136 und 156. Rund um die Uhr Feuer, Unfälle, Hilfeleistungen, Beseitigung von Sturmschäden: Das alles stellt Beruf, Familie und Gesundheit auf eine harte Probe.

Nachts am Einsatzort - und dann zur Arbeit

Ohne Unterstützung aus der Familie und tolerante Arbeitgeber würde das alles nicht funktionieren. 149 Einsätze bis Anfang Juni: Das heißt rechnerisch fast täglich ausrücken.

Es gibt Situationen, da kann man nicht fahren

Tim Helberg (19), seit vier Jahren in der aktiven Feuerwehr, lässt sich nicht abschrecken. Der Mitarbeiter eines Handwerksbetriebs für Fensterbau weiß: Wenn alle Stricke reißen, dann hilft spontan ein Kollege. “Ich kann natürlich nicht zum Einsatz rasen und die Leute mit einem Loch in der Wand stehen lassen”, verweist er auf berufliche Grenzen. Und Pressesprecher Jens Führer ergänzt: “Es gibt Situationen, da kann man nicht fahren.”

Für die Kameraden belastend

Obwohl ungewöhnlich häufig die Alarmglocken schrillen, finden sich auch tagsüber immer ausreichend Einsatzkräfte. Ortsbrandmeister André Leiber (35) ist froh, in angemessener Stärke ausrücken zu können. “Das ist für die Kameraden natürlich belastend”, weiß er. Und die Arbeit bleibt liegen, das heißt: Nach dem Einsatz gilt es, die beruflichen Aufgaben zu lösen. “Irgendwann ist man dann auch mal müde”, erinnert sich Sascha Wenzel (41) an Momente, in denen es schwerfiel, nach Hilfeleistung oder Brandlöschung noch ein dienstliches Projekt zu wuppen. Doch auch Bernd Berger (62), stellvertretender Ortsbrandmeister, stellt fest: “Die Motivation ist nach wie vor sehr hoch.”

Nach dem Einsatz kommt noch mehr Arbeit

Was viele nicht wissen: Mit “Wasser marsch und Feuer aus” ist es nicht getan. Beispiel: Nach dem Brand am Zedernweg waren die Teams erst nach rund vier Stunden zurück am Gerätehaus. Auch wenn keine Flammen mehr zu sehen sind, heißt es Glutnester suchen und Brandwache halten. Anschließend geht es noch immer nicht ins Bett: Tanks füllen, Fahrzeuge und Ausrüstung reinigen, Berichte schreiben und vieles mehr gilt es zu erledigen. Zusammen mit Lehrgängen, Übungsdiensten, Wettkampfvorbereitung sowie Doppelbelastung durch Einsätze in kreisweiten Feuerwehr-Spezialeinheiten sammeln sich Stunden um Stunden an. Ein so intensives Einsatzgeschehen wie 2022 drückt auf die Kraft.

Appelle an die Bevölkerung

Nein, es jammert niemand. Ein paar Appelle an die Bevölkerung lassen sich die Aktiven dann aber doch entlocken. Ein kleiner Wasserschaden, der nicht ganz so große Ast im Weg oder die kokelnde Mülltonne müssten nicht in jedem Fall zum “112-Ruf” führen, formuliert es Ortsbrandmeister Leiber vorsichtig. “Ein bisschen Wasser aus der Gießkanne hilft manchmal auch schon.” Wenn die Aktiven mit dem Dachaufsetzer, dem Pkw-Schild “Feuerwehr im Einsatz”, noch ohne Sonderrechte unterwegs sind, dann sollten andere Verkehrsteilnehmer Platz machen. Und Beschwerden über “Krach” in der Nacht seien unangebracht: “Es ist gesetzlich vorgeschrieben, mit Signalhorn und blauem Blinklicht zum Einsatzort zu fahren”, klärt Jens Führer auf. Macht das der Maschinist, also der Fahrer, nicht, gibt‘s bei Unfällen rechtliche Probleme. Letzter Appell: Unbedingt die ausgeschilderten Parkflächen für Einsatzkräfte am Feuerwehrgerätehaus freihalten.

Mitglied im Förderverein werden

Wer möchte, kann die Feuerwehr unterstützen, zum Beispiel als Mitglied im Förderverein. “Das signalisiert auch Wertschätzung”, so Bernd Berger. Froh sind die Männer und Frauen, dass sie sich nach pandemiebedingten Einschränkungen wieder treffen und austauschen können. Das ist für die Kameradschaft wichtig, aber auch, um oft schreckliche Erlebnisse an Einsatzorten verarbeiten zu können - vor allem bei der ungewöhnlich hohen Einsatzdichte 2022.